Wir achten beim Einkaufen immer mehr auf Bio, Regionalität, Saisonalität und möglichst wenig Verarbeitung.
Wir diskutieren über Pestizide, kurze Transportwege, Nachhaltigkeit und natürliche Lebensmittel.
Und dann gehen wir nach Hause …
… und schlucken Nahrungsergänzungsmittel, über deren Herstellung wir uns oft überhaupt keine Gedanken machen.
Irgendwie verrückt, oder?
Ausgerechnet bei Produkten, die wir ganz bewusst für unsere Gesundheit konsumieren, scheint die Frage nach der Natürlichkeit plötzlich kaum noch eine Rolle zu spielen.
Dabei gibt es in der Natur ja keinen Vitamin-C-Baum, an dem reine Ascorbinsäure wächst.
Eine Orange besteht schließlich nicht nur aus Vitamin C.
Sie bringt Ballaststoffe, Pflanzenstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und viele weitere natürliche Begleitstoffe mit, die gemeinsam ein ziemlich komplexes Gesamtpaket bilden.
Und je mehr ich mich mit Ernährung beschäftige, desto häufiger stolpere ich über Studien, die zeigen, dass gerade dieses Zusammenspiel der verschiedenen Stoffe eine wichtige Rolle spielen.
Trotzdem scheinen wir oft nach dem Motto zu handeln:
“Hauptsache 1.000 mg Vitamin C – der Rest wird schon nicht so wichtig sein.”
Versteht mich nicht falsch.
Ich habe überhaupt nichts gegen Nahrungsergänzungsmittel. Im Gegenteil. Ich nutze sie selbst.
Aber ich frage mich inzwischen immer häufiger:
Warum achten wir bei Lebensmitteln so sehr auf Natürlichkeit – und bei Nahrungsergänzungen oft deutlich weniger?
Warum hinterfragen wir Herkunft, Verarbeitung und Qualität eines Apfels manchmal intensiver als die eines Produkts, das wir täglich einnehmen?
Vielleicht haben wir uns einfach daran gewöhnt.
Tablette rein.
Haken dran.
Und weiter geht’s.
Manchmal frage ich mich, ob wir nicht ein bisschen zu sehr zu einer “Tablettenschluck-Gesellschaft” geworden sind.
Vielleicht sollten wir weniger in den Kategorien “natürlich oder Nahrungsergänzung” denken.
Sondern häufiger fragen:
Wie nah ist das Produkt eigentlich noch an dem, was die Natur ursprünglich vorgesehen hat?
